Der Wilhelm-Kahl-Preis für Mitmenschlichkeit geht in diesem Jahr an Karina Matheis. Das Evangelische Dekanat Wiesbaden zeichnet damit ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement in der Teestube und im Containerdorf der Regionalen Diakonie Wiesbaden Rheingau-Taunus aus.
Als ehemalige Krankenschwester unterstützt sie dort wohnungslose Menschen mit medizinischer Hilfe, Zeit und persönlicher Zuwendung. Über Jahre hat sie auch einen Menschen auf einer Parkbank begleitet, bis er eine neue Perspektive hatte.
„Die Menschen spüren in Ihrem Blick, dass Sie bei Ihnen nicht festgelegt werden auf ,der Obdachlose‘, sondern so viel mehr sind, und dass es okay ist, etwas von sich zu zeigen und zu erzählen“, sagte Pfarrer Andreas Günther, Vorsitzender des Diakoniausschusses, in seiner Laudatio. Diese Haltung von Respekt präge die Arbeit von Karina Matheis. Sie wende sich Menschen zu, die in der Gesellschaft häufig übersehen würden und bei denen viele unsicher seien, wie sie ihnen begegnen sollen.
„Diese Menschen sind uns vielleicht ein bisschen unheimlich, weil wir sie nicht einschätzen können, aber auch, weil sie uns vor Augen führen: Das kann jedem passieren - Armut, gesellschaftliches Abstürzen, durch soziale Systeme fallen, auf Hilfe angewiesen sein“, so Günther.
Matheis unterstützt unter anderem die humanitäre Sprechstunde, in der ehrenamtliche Ärztinnen und Ärzte Menschen versorgen. Außerdem hilft sie bei Verbandswechseln, begleitet kranke und hilfsbedürftige Menschen und steht auch dann zur Verfügung, wenn sie ohne Anmeldung um Hilfe gebeten wird. Dabei zählt sie keine Stunden. Für sie stehe die Würde jedes Menschen und eine respektvolle Begegnung im Mittelpunkt, so Andreas Günther.
Mit ihrer Arbeit trage Matheis dazu bei, Menschen in schwierigen Lebenssituationen medizinische Versorgung und menschliche Zuwendung zu ermöglichen.
Karina Matheis selbst beschreibt ihr Engagement als „kleiner Stein im Mosaik der Mitmenschlichkeit“. Jeder könne dazu beitragen, das eigene Umfeld menschlicher zu gestalten.
Mit dem Wilhelm-Kahl-Preis würdigt das Evangelische Dekanat Wiesbaden Matheis herausragenden Einsatz für Menschenwürde und Nächstenliebe.
Hintergrund:
Wilhelm Kahl, der Stifter des Preises, stammte aus Wiesbaden-Delkenheim. Er war in der evangelischen Kirchengemeinde und in vielen Vereinen engagiert. Er hat dem Dekanat Wiesbaden nach seinem Tod ein Vermächtnis von 30.000 Euro hinterlassen mit der Auflage, jährlich einen Preis in Höhe von 500 Euro auszuloben für eine Mitbürgerin oder einen Mitbürger, der oder die – unabhängig von Konfession, Religion, Nationalität oder Geschlecht – sich in besonderer Weise sozial engagiert. Der Preis wird seit 2018 jährlich verliehen: Preisträgerinnen und -träger waren unter anderem Robert Belz, der sich für Menschen mit Handicap einsetzt, der Mediziner Sievert Seebens, der Menschen in der Teestube ärztlich versorgt, und Milena Rossel, die als bisher jüngste Preisträgerin für ihr langjähriges Engagement in der Kinder- und Jugendarbeit ausgezeichnet wurde.