Helle Kinderstimmen, strahlende Gesichter und jede Menge Begeisterung für Musik: Rund 200 Kinder aus etwa 25 evangelischen Kitas aus Wiesbaden haben an diesem Vormittag in der Lutherkirche gezeigt, was sie in den vergangenen Monaten gelernt haben. Gemeinsam haben sie ein kleines Chorkonzert gestaltet und damit das Projekt „Singen macht stark“ für Eltern, Familien und Gäste hörbar gemacht.
Seit Mai 2025 besuchen Musikpädagoginnen und Stimmbildnerinnen rund um die Evangelische Singakademie Wiesbaden wöchentlich rund 30 Kindertagesstätten des Evangelischen Dekanats. Sie musizieren und singen mit den Kindern. Ziel ist es, dass jedes Kind in einer evangelischen Kita in Wiesbaden Kontakt mit Gesang kommt und ein Repertoire an Liedern lernt.
Schon auf der Fahrt zur Lutherkirche war die Vorfreude der Kinder spürbar. „Die Kinder haben teilweise schon im Bus gesungen“, berichtet die elementare Musikpädagogin Sophie Seebaß. „Wenn ich in eine Kita komme, laufen mir singende Kinder entgegen. Es ist wunderbar zu erleben, wie begeisterungsfähig Kinder sind und wie schnell sie lernen.“
Entwickelt wurde das inklusive Projekt von Lutherkirchenkantor Niklas Sikner und der ausgebildeten Mezzosopranistin Lena Naumann. So entstand ein Angebot, das Kindern unabhängig von Herkunft, Sprache oder sozialem Umfeld den Zugang zum gemeinsamen Singen ermöglicht. „Uns hat die Frage beschäftigt: Wann singen Kinder heute eigentlich?“ Wichtig, so Sikner, sei ihm, dass man alle Kinder aus allen Milieus erreiche. „Das gelingt uns über die Kitas.“
Dass gemeinsames Singen weit mehr fördert als musikalische Fähigkeiten, erleben die Projektverantwortlichen immer wieder. „Manche Kinder sprechen kaum oder gar nicht, singen aber plötzlich mit“, berichtet Projektleiterin Lena Naumann. Gerade in Gruppen mit vielen Kindern, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, werde Musik zu einem wichtigen Kommunikationsmittel. „Über Musik entsteht Gemeinschaft. Das gesungene Wort bleibt oft besser im Gedächtnis als das gesprochene.“
Auch Musikpädagogin Gabriela Blaudow beobachtet die positiven Effekte ihrer Arbeit: „Viele Kinder müssen ihre eigene Singstimme erst entdecken. Dabei helfen angeleitetes Singen, Bewegung und Rituale.“ Besonders wichtig sei, dass die Kinder nicht zu Playback-Aufnahmen singen, sondern die eigene Kopfstimme entdecken. Oft singen sie erst in ihrer gewohnten, tieferen Sprechstimme oder passen sich der tieferen Tonlage der Erwachsenen an.“
Für die Kindertagesstätten ist das Angebot eine gute Ergänzung zum pädagogischen Alltag. Die inzwischen sieben Musikpädagoginnen kommen einmal pro Woche für 30 bis 45 Minuten in die Einrichtungen und arbeiten dort meist mit den Vorschulkindern.
Finanziert wird „Singen macht stark“ vom Evangelischen Dekanat Wiesbaden. Die Evangelische Singakademie, die an der Lutherkirche beheimatet ist, koordiniert das Projekt.
Das Konzert in der Lutherkirche machte deutlich, welchen Wert musikalische Früherziehung haben kann: Kinder erleben Gemeinschaft, stärken ihr Selbstbewusstsein, entwickeln sprachliche und soziale Kompetenzen und entdecken die Freude an der Musik.
Kontakt:
Niklas Sikner (Leiter der Evangelischen Singakademie Wiesbaden)
Lena Naumann (Projektleitung)
E-Mail: singakademie.wiesbaden@ekhn.de
Telefon: 0611 89067313