23 Jahre lang war die Schwalbe6 ein besonderer Ort mitten in Wiesbaden: Kirchenladen, Anlaufstelle, Treffpunkt, Beratung, Ruhepol und Forum für gesellschaftliche und spirituelle Fragen. Jetzt wurde in der Schwalbacher Straße 6 mit einem großen Fest Abschied gefeiert – mit vielen Wegbegleitern, Ehrenamtlichen, Freundinnen und Förderern und mit Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende.
OB Mende würdigte die Schwalbe6 als einen Ort, der für sozialen Zusammenhalt in der Stadt gestanden habe. „Hier sind Menschen ohne Vorbehalte aufeinander zugegangen. Mir ist so ein Ort wichtig“, sagte Mende. Er dankt den Engagierten, den Besucherinnen und Besuchern sowie allen, die die Schwalbe6 über die Jahre ermöglicht und mit Leben gefüllt haben.
Im Oktober 2003 war das Kirchenfenster unter Federführung der damaligen Stadtkirchenpfarrerin Annette Majewski eröffnet worden. Seitdem fanden hier unter anderem mehrere hundert Veranstaltungen statt – von Lesungen und Ausstellungen über Meditationen und Vorträge bis zu Workshops und Angeboten zu Lebensfragen. Vor allem aber war die Schwalbe6 ein Ort der Begegnung. Menschen kamen, um sich beraten zu lassen, Gespräche zu führen, zur Ruhe zu kommen oder einfach jemanden zu finden, der Zeit für sie hatte.
Bis zuletzt wurde die Arbeit in der Schwalbe6 von zahlreichen Ehrenamtlichen getragen und gestaltet. Nur durch ihr Mitwirken konnten die Räume in der Schwalbacher Straße 6 zwei Jahrzehnte lang so regelmäßig werktags geöffnet sein. Viele der Ehrenamtlichen sind seit Jahren, zum Teil seit Beginn der Schwalbe6 dabei.
Für Schwalbe6-Leiterin Susanne Fichtl war die familiäre Teamarbeit immer etwas Besonderes: "Ich weiß, dass die Ehrenamtlichen hier den Menschen ihre Zeit geschenkt haben, und das ist heute was sehr Kostbares“, sagte Susanne Fichtl. Sie dankte allen ehrenamtlichen Mitarbeitenden für die Bereitschaft, sich im Kirchenladen zu engagieren und ihre Zeit einzubringen: Als Erinnerung und Dankeschön bekam jede Mitarbeiterin eine kleine Schwalbe als Abschiedsgeschenk.
Auch Schwalbe-Gründerin Annette Majewski blickt dankbar zurück: „Dass dieser neue, innovative Ort der Kirche in der Stadt damals so rege angenommen wurde und so lange existierte, hätte ich damals nicht gedacht.“ Von Beginn an sei in der Stadt eine große Offenheit und Neugier zu spüren gewesen. Auch der ungewöhnliche Name „Schwalbe6“ hat eine Geschichte. Er entstand in einem Namenswettbewerb mit dem Wiesbadener Kurier und knüpfte an die Adresse Schwalbacher Straße 6 und an Psalm 84 an: „Der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen.“ Für Annette Majewski passte das von Anfang an gut zum Anliegen des Kirchenfensters: „Ein ‚Nest‘ zu sein, ein Ort der Geborgenheit für Menschen in unserer Stadt in all ihrer Vielfalt und Verschiedenheit, das war von Anfang an das besondere Anliegen.“
Nun schließt die Schwalbe6 ihre Türen. Grund dafür sind vor allem die stark gesunkenen Kirchensteuereinnahmen und die damit verbundenen finanziellen Veränderungen in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Für viele Angebote der Schwalbe konnten bereits neue Partner und Orte gefunden werden.
Dekanin Arami Neumann erinnerte in ihrer Abschiedsandacht daran, dass mit der Schließung der Schwalbe6 zwar ein vertrauter Ort verloren gehe, nicht aber das, wofür Kirche stehe. „Wir verabschieden uns von einem Kirchenladen, nicht von der Kirche Jesu Christi“, sagte sie. Kirche sei seit ihren Anfängen eine Gemeinschaft, die immer wieder neue Wege und Orte gefunden habe. Gleichzeitig dürfe der Abschied schmerzen. Die Menschen hätten in der Schwalbe Trost, Orientierung und Hoffnung gefunden – und viele hätten hier erlebt, dass sie mit ihren Fragen und Sorgen nicht allein sind. „Die Zeiten ändern sich, Gebäude – auch Kirchengebäude – ändern sich, auch Gemeinden ändern sich“, sagte Neumann. „Aber die Grundfragen der Menschen sind doch immer noch dieselben.“
Die Schließung sei deshalb auch ein Anlass, danach zu fragen, wo Kirche künftig für Menschen da sein könne. Kirche sei keine Bewegung, die an ein bestimmtes Gebäude gebunden ist, sondern eine Gemeinschaft, die sich immer wieder neu auf den Weg macht. „Als Christen sind wir Teil des wandernden Gottesvolkes“, so Neumann. „Wir vertrauen darauf, dass Gott unsere Wege segnet und Jesus Christus mit uns geht.“
So bleibt nach 23 Jahren vor allem die Erinnerung an einen Ort, an dem Menschen zusammenkamen, suchten, glaubten, zweifelten und einander Zeit schenkten. Am Samstag wurde noch einmal gemeinsam gelacht, erzählt und gefeiert – und auch manche Träne vergossen. Susanne Fichtl ist aber sicher, dass es gelingen werde, all das Gute im Herzen zu bewahren: "Wir dürfen drauf vertrauen, dass es einen neuen Weg geben wird. Die Schwalbe6 darf jetzt ausfliegen."
Übersicht über Angebote, die nach Schließung der Schwalbe 6 weitergehen, die Lister wird noch vervollständigt - es sind noch nicht alle Partner und Orte geklärt:
Trauerseelsorge
Susanne Fichtl
Katharinen-Stift
Am Schloßpark 75b
Wiesbaden-Biebrich
Termine auf Nachfrage unter: 0162-7931877
Systemische Beratung & Seelsorge
Michaela Hanft
Haus an der Marktkirche
Schloßplatz 4
Freitags, 14 – 17 Uhr
Termine auf Nachfrage unter: 0176-57924312
Sozialberatung
Nicole Kalus
Haus an der Marktkirche
Schloßplatz 4
Mittwochs, 14 – 16 Uhr
ab Oktober
Beratung Demenz
Ute Kern-Müller
Familienbildung
Haus an der Marktkirche
Schloßplatz 4
Termine: 6.10. / 10.11./ 8.12.2026 von 14:30 -17:00 Uhr
Anmeldung unter: 0611-36091-311
QiGong
Nan Wang
Anmeldung und Infos unter: 0151-51867966 (Whatsapp)
Bibliodrama
Renate Brenning-Heinemann
Anmeldungen an: brenning-heinemann@gmx.de
Aktion Federmäppchen
Infos folgen im kommenden Jahr
Aktion Christbaum für Kinder /Weihnachtspäckchenaktion
Infos folgen zeitnah