Abschied von Pfarrer Thomas Hartmann

veröffentlicht 02.06.2026, Dekanat Wiesbaden

Sonnenberger Pfarrer geht in den Ruhestand

In einem festlichen Gottesdienst hat sich Pfarrer Thomas Hartmann nach mehr als 25 Jahren von der Sonnenberge Thalkirchengemeinde verabschiedet. Der 66-Jährige geht in den Ruhestand. Viele Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter, Gemeindemitglieder aus Sonneberg und der Nachbarschaft, Kolleginnen und Kollegen aus dem Dekanat sowie Gäste und Familie waren in die Thalkirche gekommen, um Danke zu sagen und Abschied zu nehmen.

Im Mittelpunkt des Gottesdienstes stand der Segen. Segen sei keine Magie, sondern es sei ein Gesehenwerden, eine Kraft Gottes, so Hartmann in seiner Predigt: „Gott sieht mich an. Im Segen betreten wird den Raum Gottes, wir dürfen uns behütet und gesehen wissen. Und daraus wächst ein Friede, ein innerer Friede.“   

Neben vielen Segensliedern wurde der Gottesdienst musikalisch eindrucksvoll begleitet von Violinist und „Jugend musiziert“-Preisträger Eduard Srbinickij sowie von Andreas Karthäuser an Orgel und Klavier.
Dekanin Arami Neumann würdigte Thomas Hartmann als prägende Persönlichkeit der Gemeinde und dankte ihm: „Hier in Sonnenberg geht eine Ära zu Ende“, sagte sie. „Du warst immer ein besonderer Kollege, den wir vermissen werden.“ Thomas Hartmann habe mit „Energie und Sorgfalt“ gewirkt, eigene Akzente gesetzt, Bücher geschrieben und sich unter anderem stark in der Ökumene engagiert, so die Dekanin: „Du hast dazu beigetragen, dass deine Gemeinde gesegnet ist.“

Thomas Hartmann studierte zunächst Klassische Archäologie und Kunstgeschichte, bevor er zur Evangelischen Theologie wechselte. Sein Vikariat absolvierte er an der Christuskirche in Mainz. 1999 wurde er Pfarrer der Thalkirchengemeinde  Sonnenberg – wo er bis zu seinem Ruhestand blieb. „An der Thalkirche mochte ich immer, dass es eine Gemeinde mit Anspruch und Bildung war, aber dass es hier auch Menschen gab, die stark seelsorgerliche Bedürfnisse hatten“, so Hartmann. Und es habe auch immer viele kritische Geister gegeben.

Dem vierfachen Vater und zweifachen Großvater war in seiner Gemeindearbeit stets wichtig, „den Blick auf alle zu haben – von der Wiege bis zur Bahre“. Besondere Schwerpunkte setzte er in der Arbeit mit Konfirmandinnen und Konfirmanden, im Kindergottesdienst sowie in Gottesdiensten für alle Altersklassen.

Bekannt wurde Hartmann auch über die Gemeindegrenzen hinaus durch ungewöhnliche Themen: Ob Predigten, die mit künstlicher Intelligenz geschrieben wurden, Abende über Organspende oder Nahtoderfahrungen, ob Bücher über Zen-Meditation oder das Gewalt-Tabu - Hartmann scheute nie den Blick über den kirchlichen Tellerrand, und er scheute nie die Provokation. „Ich wollte der Gemeinde positive Schlagzeilen bringen und auch ein wenig provozieren“, sagt er rückblickend. „Oft hat das zu lebhaften Diskussionen geführt – aber genau das fand ich spannend“, so der Theologe.

Mit Sorge blickt der scheidende Pfarrer auf die Entwicklung der Kirche. Viele Menschen seien heute stark auf das Private, auf Familie, Gesundheit oder persönliche Lebensziele konzentriert. „Das alles ist wichtig und wertvoll“, betont er. „Aber mir fehlt oft der geistliche Überbau.“ Kirche habe kein „Produkt zu verkaufen“. Der Glaube müsse „von innen kommen“. Gleichzeitig sei Kirche gesellschaftlich unverzichtbar – etwa durch Kitas, Seelsorge oder soziale Arbeit.

Thomas Hartmann und seine Frau leben inzwischen in Rheinhessen. Dort möchten beide mehr reisen und neue Freiräume genießen. Als Filmfan kann sich Hartmann vorstellen, sich bei einem kommunalen Kino zu engagieren. Auch über ein neues Buchprojekt denkt er nach – diesmal eher im Bereich Belletristik. Eines aber sei sicher: „Ich werde ganz bestimmt nicht aufhören, im Inneren Pfarrer zu bleiben. Das ist eine Identität, die man bis zum Ende mit sich führt.“