Marktkirche beteiligt sich an der „Stillen Stunde“

veröffentlicht 30.07.2026, Dekanat Wiesbaden

Keine Glocken, kein Carillon – Zeichen für Inklusion und Teilhabe:

Die Evangelische Marktkirchengemeinde beteiligt sich seit Juli an der Wiesbadener Initiative „Stille Stunde“. Die Marktkirche ist damit die erste kirchliche Einrichtung, die an dem Projekt jetzt jeden Donnerstag zwischen 15 und 17 Uhr teilnimmt und damit das Stille-Angebot in der Stadt erweitert.

Seit einem Jahr bieten zahlreiche Geschäfte in der Wiesbadener Innenstadt während der „Stillen Stunde“ ein reizarmeres Umfeld mit reduzierter Geräuschkulisse und angepasster Beleuchtung an, um insbesondere Menschen mit Autismus, ADHS, Angststörungen, Demenz, Long-Covid oder anderen sensorischen und nicht sichtbaren Einschränkungen, einen Besuch der Innenstadt zu erleichtern. 

Die Marktkirche geht dabei bewusst einen besonderen Weg: Während der Stillen Stunde schweigen sowohl das Carillon als auch die Kirchenglocken. Auf Orgel- und Chorproben wird verzichtet, Gespräche werden bewusst leise geführt und Besucherinnen und Besucher in ruhigem Ton empfangen. Wo möglich, wird zudem die Beleuchtung reduziert, um eine möglichst reiz- und stressarme Atmosphäre zu schaffen.

„Mit diesen Maßnahmen entsteht mitten im Herzen der Innenstadt ein besonderer Ort der Ruhe – offen für alle Menschen, die eine Pause von Lärm, Hektik und den vielfältigen Sinneseindrücken des Alltags suchen“, erläutert Dr. Margot Klee, Vorsitzende des Kirchenvorstandes der Evangelischen Marktkirchengemeinde. „Dazu gehört auch, dass wir für zwei Stunden die Kirchenglocken nicht läuten lassen – für uns ein starkes Zeichen für dieses wichtige Engagement.“ 

Für die Kirche sind Barrierefreiheit, Inklusion und die Wahrnehmung unterschiedlicher Bedürfnisse zentrale christliche Anliegen. „Jeder Mensch ist als Ebenbild Gottes geschaffen und verdient Respekt, Aufmerksamkeit und die Möglichkeit, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben“, sagt Nicole Nestler, Fachstelle Gesellschaftliche Verantwortung im Evangelischen Dekanat Wiesbaden. Inklusion sei deshalb kein Randthema, sondern gehöre zum Kern des christlichen Selbstverständnisses: „Wir verstehen unsere Beteiligung auch als Beitrag zur gesellschaftlichen Sensibilisierung. Denn als Kirche treten wir für eine offene Stadtgesellschaft ein, in der Rücksichtnahme, Achtsamkeit und Teilhabe selbstverständlich sind.“ 
Um das Angebot noch zu erweitern, sei derzeit auch ein reizarmer Gottesdienst am 13. August in Klarenthal geplant, so Nestler.